Aus der Chronik von 1970

Berliner Schachgesellschaft gegen Leipzig

4. März 1906

Leipzig. Die Schachgesellschaft "Augustea" hat sich entschlossen, den Wettkampf mit der Berliner Schachgesellschaft telephonisch auszufechten. Der Wettkampf wird am 4. März vor sich gehen.

Quelle

Deutsche Schachzeitung Nr. 2, Februar 1906, S. 57

Leipzig. Am 4. März wurde der telephonische Wettkampf zwischen der Leipziger "Augustea" und der Berliner Schachgesellschaft ausgefochten. Die Paarung der Gegner war folgende: I. H. Caro (Berlin) — E. Swiderski (Leipzig), II. A. Moewig (L.) — E. Cohn (B.), III. H. Ranneforth (B.)—H. Kirschner (L.), IV. H. Kramer (L.) — Dr. M. Lewitt (B.), V. A. Bauer (B.) — H. Petzold (L.), VI. P. Spänig (L.) — Lampert (B,), VII. Hartenheim (B.) — O. Valentiner (L.), VIII. Fuckner (L.) — Kempner-Hochstädt (B.). Auf Seite der Berliner siegten Caro und Cohn, auf Seite der Leipziger Kirschner, Petzold und Spänig. Die Partie Kramer—Lewitt wurde in folgender Stellung:

den Schiedsrichtern O. S. Bernstein und J. Mieses unterbreitet, welche die Partie für remis erklärten. Die Partie Fuckner—Kempner-Hochstädt wurde remis gegeben. Der Wettkampf endete nach Berliner Auffassung als unentschieden 4 zu 4, nach Leipziger mit dem Sieg Leipzigs 4 zu 3. Diese Meinungsverschiedenheit wird durch die nicht zu Ende geführte Partie auf Brett VII: Partie Hartenheim (Berlin)—Valentiner (Leipzig), ein Ruy-Lopez, in dem der Nachziehende in einem Endspiel mit gleichen Läufern einen Bauer vor hatte, veranlaßt, die Berlin unter Berufung auf Zeitüberschreitung für sich als gewonnen in Anspruch nimmt. Leipzig war der Ansicht, daß für 50 Züge drei Stunden vereinbart seien, während Berlin annahm, daß 30 Züge in zwei Stunden, dann 15 Züge die Stunde zu machen seien. Berlin beansprucht infolgedessen die Partie auf Brett VII, für die Leipzig nach dem 30. Zuge 2 Stunden 17 Minuten in gutem Glauben als verbrauchte Zeit gemeldet hattte, als gewonnen, während Leipzig der Meinung ist, daß bei Weiterspiel die Partie für Leipzig gewonnen worden wäre. Es ist wünschenswert, daß zukünftig bei derartigen Wettkämpfen die Bedingungen schriftlich vorher festgelegt und so Verstimmungen nachträglich vermieden werden.

Quelle

Deutsche Schachzeitung Nr. 3, März 1906, S. 88/89

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